Behavior-Driven Development mit Gherkin verbindet Fachbereich und IT

Im Projekt wurde ein Behavior-Driven-Development-Ansatz (BDD) eingeführt, um Testfälle nicht nur technisch umzusetzen, sondern so zu formulieren, dass sie auch ohne Programmierkenntnisse nachvollziehbar sind.

Dafür wurden Gherkin-Features eingesetzt. Die Szenarien sind in natürlicher Sprache beschrieben und schaffen eine gemeinsame Grundlage für Entwicklung, Testmanagement und Fachbereich. Anforderungen und automatisierte Tests sind dadurch direkt miteinander verknüpft.

Bessere Verständlichkeit bedeutet mehr Strukturaufwand

Die Einführung von BDD verbessert die fachliche Verständlichkeit, erhöht aber gleichzeitig die Anforderungen an die Testarchitektur.

Im Projekt mussten vier Ebenen klar voneinander getrennt werden:

  • Fachliche Szenarien (Feature-Ebene)
  • Step-Definitionen
  • Business-Logik
  • Technische UI-Ansteuerung wie Locators und Selektoren

 

Diese Trennung ist entscheidend für wartbare Tests, aber nicht trivial in der Umsetzung. Ohne klare Struktur entstehen schnell redundante Steps, unklare Verantwortlichkeiten und schwer nachvollziehbare Tests.

Zusätzlich war die Gestaltung der Szenarien eine zentrale Herausforderung. Szenarien mussten fachlich verständlich bleiben, gleichzeitig aber ausreichend Details enthalten. Zu detaillierte Szenarien verschlechtern die Wartbarkeit, zu abstrakte Szenarien verlieren ihre fachliche Aussagekraft.

Auch die Abgrenzung zwischen Step-Definitionen und eigentlicher Applikationslogik musste im Projekt bewusst definiert werden.

Die Lösung: Klare Architektur und konsistente Guidelines

Um die Tests langfristig wartbar zu halten, wurden klare Regeln für den Aufbau der Szenarien und Steps definiert.

Fachliche Szenarien sollten nur beschreiben, welches Verhalten der Anwendung getestet wird – nicht wie die technische Umsetzung erfolgt. Technische Details wie Selektoren, UI-Interaktionen oder Validierungslogik wurden konsequent aus den Gherkin-Szenarien herausgehalten und in separate technische Ebenen ausgelagert.

Zusätzlich wurde darauf geachtet, redundante Steps zu vermeiden und bestehende Logik wiederzuverwenden. Statt viele ähnliche Steps für einzelne Sonderfälle zu erstellen, wurden Tests stärker parametrisiert und näher am tatsächlichen Geschäftsprozess modelliert.

Ein weiterer wichtiger Punkt war die bewusste Trennung zwischen Step-Definitionen und Business-Logik. Steps dienten als verständliche Übersetzung der fachlichen Szenarien, während die eigentliche Anwendungslogik zentral gekapselt wurde. Dadurch blieben die Szenarien lesbar, ohne technische Komplexität in die Fachsprache zu übertragen.

Zur Unterstützung der Umsetzung kamen KI-Tools wie Copilot zum Einsatz. Sie wurden unter anderem verwendet für:

  • die Strukturierung von Steps
  • die Aufteilung von Logik
  • die Verbesserung der Wiederverwendbarkeit
  • die Analyse bestehender Implementierungen
  • die schnellere Einarbeitung in neue Codebasen

 

Dabei galt im gesamten Projekt ein klarer Grundsatz: KI wurde nur unterstützend eingesetzt. Voraussetzung für sinnvolle Ergebnisse war immer ein Verständnis der fachlichen und technischen Architektur.

Ergebnis und Learnings

BDD hat im Projekt die Verständlichkeit der Tests und die Zusammenarbeit zwischen Fachseite, Testmanagement und Entwicklung deutlich verbessert. Die in Gherkin formulierten Szenarien konnten von allen Beteiligten direkt verstanden werden und dienten gleichzeitig als Testbasis und Dokumentation.

Besonders beim Wissenstransfer zeigte sich der Mehrwert des Ansatzes: Bereits implementierte Features konnten ohne zusätzlichen Übergabeaufwand von neuen Teams übernommen werden. Neue Teammitglieder waren in der Lage, die Szenarien schnell nachzuvollziehen und produktiv mitzuarbeiten.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass BDD nur mit klaren Strukturen langfristig wartbar bleibt.

Entscheidend für langfristig wartbare Tests sind:

  • eine saubere Trennung der Ebenen

  • konsistente Szenarien

  • parametrisierte Tests

  • klare Guidelines für Struktur und Dokumentation

Weiterführende Unterstützung:

Eine stabile Testautomatisierung und effiziente QA-Prozesse sind der Schlüssel für schnelle Release-Zyklen und fehlerfreie Software. Wir unterstützen Sie dabei, diese Strukturen nachhaltig in Ihrem Unternehmen zu etablieren. Profitieren Sie von unserer Erfahrung aus zahlreichen Projekten in der funktionalen und nicht-funktionalen Qualitätssicherung:

Waldemar Siebert

Test-Enthusiast
at SimplyTest GmbH, Nürnberg

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